9.1.2022

Wie schlimm ist der Fachkräftemangel?

Eine aktuelle Studie der Wirtschaftskammer kommt zum Ergebnis: Die heimische Industrie hat vor allem ein Lehrlings-Problem.  

Am schlimmsten sieht es bei den Technikern aus, gefolgt von Anlagen- und Maschinenbedienern, Montageberufen und Handwerksberufen. In der WKO-Sparte Industrie sind mehr als 80 Prozent der Betriebe akut von Fachkräftemangel betroffen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Unternehmensbefragung der WKO zu Fachkräftebedarf und Fachkräftemangel.

Und damit zählt diese Sparte „zu den am stärksten betroffenen Branchen“, sagt Valborg Burgholzer-Kaiser, Obmann-Stellvertreterin der Sparte Industrie in der WKOÖ.

Lehrlinge händeringend gesucht

Am drängendsten ist der Bedarf im Bereich der Lehrlinge. „Dies liegt allerdings nicht an einer mangelnden Ausbildungsbereitschaft der Betriebe. Ganz im Gegenteil: Eine Vielzahl an Betrieben würde mehr Lehrlinge ausbilden, wenn sie dafür ausreichend geeignete und interessierte Jugendliche fände“, sagt Rudolf Mark, der Bildungssprecher der Sparte Industrie der WKOÖ.

Fachkräftemangel auf allen Ebenen

Der Fachkräftemangel betrifft laut der Studie allerdings nahezu alle Qualifikationen und alle Bildungsabschlüsse. So gaben etwa 66,2 Prozent der befragten Unternehmer an, häufig Probleme bei der Suche nach Mitarbeitern mit Lehrabschluss zu haben, 43 Prozent bei der Suche nach Personen mit Abschlüssen von technisch-gewerblichen Fachschulen ohne Matura, 43,7 Prozent bei der Suche nach Absolventen höherer Berufsausbildung – etwa Meister, Werkmeister, Fachakademien – und 38,7 Prozent im Bereich von Mitarbeitern mit HTL-Abschluss.

Vielfältige Chancen in der Industrie

Angesichts der Megatrends Digitalisierung und ökologische Transformation wird das Problem künftig immer drängender, meint Rudolf Mark: „Mehr denn je gilt genau hier, dass Fachkräfte entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg und damit für die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts sind. Und besonders hier eröffnen sich damit für jene Menschen, die aktiv und engagiert ihre Zukunft mitgestalten wollen, vielfältige Chancen, ihre Fähigkeiten und Kompetenzen einzusetzen und innovative Lösungen zu fördern.“