26.04.2021

Wie Mazak den österreichischen Werkzeugmaschinenmarkt erobert

Yamazaki Mazak ist seit rund zwei Jahren mit eigener Niederlassung in Österreich. Wie Niederlassungsleiter Florian König die aktuelle Situation am Markt sieht, verrät er im Interview.

„Wenn man im Vertrieb erfolgreich sein will, ist ein gutes Netzwerk das A und O“, sagt Florian König, Niederlassungsleiter von Mazak in Österreich. „Viele haben genug von virtuellen Meetings. Sie beschränken sich zu stark auf die Business-Ebene, der persönliche Smalltalk kommt hier zu kurz“, meint der Vertriebsexperte für Werkzeugmaschinen.

Reed Exhibitions: Herr König, Sie plädieren für eine rasche Rückkehr der Live-Messen.

Florian König: Ganz eindeutig. Klassische Messen haben noch lange nicht ausgedient, sie sind mehr als ein Live-Event, bei dem neueste Technologien präsentiert werden. Es sind die persönlichen Begegnungen auf dem Messestand, das Pflegen langjähriger Kontakte und die Möglichkeit, neue Netzwerke aufzubauen.

Sind Sie bei Kunden unterwegs, wie gestaltet sich der Vertrieb derzeit?

König: Da die Corona-Auflagen seitens der Unternehmen massiv nach oben gefahren wurden, gestaltet sich der persönliche Austausch schwierig. Für den Außendienstmitarbeiter ist es derzeit herausfordernd, Termine beim Kunden vor Ort zu erhalten, an Nächtigungen oder gar ein Abendessen mit Kunden nicht zu denken. Um derzeit beim Kunden vor Ort einen persönlichen Termin wahrzunehmen, bedarf es jahrelanger Verbindungen, diese sind sicherlich hilfreich, jedoch keine Garantie.

Und die Gespräche selbst?

König: Bei vielen Unternehmen sind Termine nur mit einem negativen Covid-Test, FFP2-Maske und hinter Plexiglasscheiben möglich. Das macht den Vertrieb momentan schwierig. Doch hier und da sind Lockerungen zu spüren und die motivieren uns ungemein.

 

© Yamazaki Mazak

Dass klassische Messen "noch lange nicht ausgedient" und viele schon genug von virtuellen Meetings haben, davon ist Florian König, Niederlassungsleiter von Mazak Österreich, überzeugt. 

Wie läuft das Geschäft derzeit?

König: Es läuft gut. Im Vertrieb ist das Thema Corona nicht mehr vorherrschend. Mein persönlicher Eindruck ist, dass die Industrie mit der Situation professioneller umgeht als im März 2020. Wir haben gelernt, neue Wege zu gehen und stellen dies auch bei der Art und Weise der Investitionen unserer Kunden fest. Zu Beginn der Pandemie war eine Förderung das ausschlaggebende Verkaufsargument. So ist es schon nicht mehr. Unsere Kunden sind äußerst zukunftsorientiert, sie wappnen sich für die Zukunft und investieren in passende Lösungen für ihre Fertigung, die sie langfristig wettbewerbsfähig macht.

© Yamazaki Mazak
Bearbeitungsraum der INTEGREX i-250H ST mit Revolver mit angetriebenen Werkzeugen macht die Multifunktionsbearbeitung noch vielseitiger.

Und wie genau stellen Sie sich ein auf eine gesteigerte Nachfrage in Österreich?

König: Wir rekrutieren für unser Team in Österreich Mitarbeiter in den Bereichen Anwendungstechnik, Servicetechnik und Vertrieb. Eine gute Basis mit 12 Mitarbeitern ist geschaffen und der Ausbau ist im Gange. Für den österreichischen Markt stellen wir uns in adäquater Teamgröße direkt vor Ort auf. Die Nähe zum Kunden ist Philosophie des Konzerns und macht für uns mitunter exzellenten Kundenservice aus. Darüber hinaus greifen wir auf die gewachsene Struktur der D-A-CH Organisation zurück, beispielsweise mit Engineering-Dienstleistungen und Projektmanagement.

Nun ist Mazak nicht der einzige Werkzeugmaschinenhersteller, der in den Markt drängt. Ist denn der österreichische Markt groß genug?

König: Ganz eindeutig. Meinen Recherchen zufolge werden jährlich zwischen 250 und 270 Millionen Euro in Werkzeugmaschinen sämtlicher Hersteller investiert. Mazak hat ein breites Portfolio und ist in allen Industrien zuhause. Wir liefern unseren Kunden nicht nur eine Maschine, sondern eine Vielzahl an passgenauen Komponenten, individuellen Lösungen und umfangreichen Serviceleistungen.

Welche Neuheit bringt Mazak mit?

König: Mit der Mazatrol SmoothAI kommt die neueste Generation modernster CNC-Steuerungen in den österreichischen Werkzeugmaschinenmarkt.

Was verbirgt sich hinter der SmoothAI-Technologie?

König: Wir hatten unlängst ein Kundenprojekt, in dem wir demonstriert haben, wie schnell man ein Bauteil aus einem 3D-Modell zum fertigen Bauteil programmieren kann. Künstliche Intelligenz, die in der AI-Steuerung zum Tragen kommt ermöglicht die Programmierung dieses Teils mit weitaus weniger Schritten. Das Programm schlägt dabei eine Bearbeitungsstrategie vor und reduziert Teilschritte im Programmieraufwand. Die superschnelle, intuitive Mazatrol ist jeher eine absolute Stärke von Mazak. Die künstliche Intelligenz in der neuesten Steuerungsgeneration macht das Programmieren noch einfacher und schneller.

Was zeichnet Mazak neben der Steuerung aus?

König: Die erste Mazatrol von 1981 muss mit den heutigen CNC-Steuerungen kompatibel sein. Dies gilt auch für Maschinenmodelle älteren Semesters, die weiterhin im Einsatz sind. Mazak ist bekannt dafür, dass Ersatzteile binnen 24h geliefert werden und das gesamte Leben einer Maschine verfügbar sind. Die hohe Fertigungstiefe und das European Part Center (EPC) von Mazak in Leuven, Belgien, mit rund 20.000 verfügbaren Ersatzteilen für mehr als 260 verschiedene Maschinenmodelle sind dafür entscheidend. Unsere Kunden wissen es sehr zu schätzen, dass sie für ihre Maschinen Ersatzteile erhalten über deren gesamten Lebenszyklus und sei es, dass eine über 20 Jahre alte Maschine weiterhin ihre zuverlässigen Dienste leistet.

Ein Thema, das viele Unternehmen derzeit beschäftigt, ist die Smart Factory. Wie sehen Sie das?

König: Die Optimierung bestehender Prozesse gewinnt immer mehr an Bedeutung. Dabei stellt für die Fertigungsindustrie die Harmonisierung vieler verschiedener Systeme eine Herausforderung dar. Sie sind gefordert, bestehende Prozesse in neue umzuwandeln. Das ist ein langwieriges und komplexes Vorhaben, zu dem wir Hersteller weiter gefordert sind, Digitalisierungsprojekte vor allem den kleinen Betrieben einfacher und annehmbarer zu machen.

© Yamazaki Mazak
Die CV5-500 ist bekannt als äußerst kompaktes und hochpräzises 5-Achsen-Bearbeitungszentrum.

© Yamazaki Mazak/Norbert Peter
Mazak freut sich auf die Intertool und sagt der Umzug nach Wels war strategisch absolut nachvollziehbar und gut.

Kommen wir zum Schluss zurück zur Messe. Wir freuen uns sehr, Sie als Aussteller auf der Intertool 2022 zu begrüßen. Worauf freuen Sie sich bereits?

König: Ich persönlich freue mich sehr auf die Intertool! Zum einen, da sie an einem neuen Austragungsort stattfindet und zum anderen, da sie eine der ersten Präsenzmessen nach fast drei Jahren sein wird. Den Umzug der Intertool nach Wels empfinde ich als richtiges Signal und strategisch sinnvollen Zug. Schließlich sind im oberösterreichischen Raum Zerspaner zuhause. Es wird höchste Zeit zum persönlichen Austausch und gut gepflegte Kontakte endlich wieder persönlich zu treffen. Denn sind wir mal ehrlich, wir Maschinenbauer sind eine große Familie, wir sehnen uns nach einem Wiedersehen und meine Vorfreude ist riesig, den Messebesuchern unser neues Team auf der Messe vorzustellen.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

 

Das Interview führte Jasmin Ladinig, Head of Content.