15.03.2021

Weltfrauentag: Wie Frauen die Aluminiumindustrie mitgestalten

Weibliche Führungskräfte sind in der Aluminiumindustrie immer noch eine Ausnahme. Es gibt Nachholbedarf, sagt Fiona Solomon, CEO der Aluminium Stewardship Initiative. Die ASI geht hier bereits voran – sie ist mit Frauen heute schon stark aufgestellt. Ein Interview zum Weltfrauentag.

© ASI
Fiona Salomon ist CEO der Aluminium Stewardship Initiative. 

Reed Exihibitions: Frau Dr. Solomon, die Aluminiumbranche ist stark von Männern geprägt. Was bedeutet das für Ihren Arbeitsalltag?

Dr. Fiona Solomon: Wie in den meisten Metall- und Bergbauindustrien gibt es in der Aluminiumindustrie einen Mangel an Vielfalt. Bei ASI sind wir jedoch in der glücklichen Lage, dass Frauen im ASI-Vorstand, im ASI-Normenausschuss und im Sekretariat stark vertreten sind. Es scheint auch eine zunehmende Beteiligung von Frauen in umwelt-, nachhaltigkeits- und menschenrechtsbezogenen Funktionen in Mitglieds- und Stakeholder-Organisationen zu geben - was sie in das Umfeld der ASI bringt.

Die Mission von ASI ist es, Veränderungen zu bewirken. Genderfragen gehören zu Ihren Standards. Doch wie halten Sie diese aktuell?

Wir haben den Fokus auf diesen Bereich in unserem aktuellen Prozess zur Überarbeitung der Standards, der derzeit zur Konsultation der Stakeholder ausliegt, weiter ausgebaut. Wir ermutigen alle, die sich für Genderfragen - und auch für alle anderen Nachhaltigkeitsthemen - interessieren, sich an unserer Befragung zur Überarbeitung der Standards zu beteiligen. (Weitere Informationen finden Sie unter: https://aluminium-stewardship.org/asi-standards-revision/)

Was reizt Sie an der Arbeit in dieser Branche?

In der Aluminiumindustrie gibt es viele Menschen, die sich für das Metall und seine Anwendungen wirklich begeistern und das Potential erkennen, dass es auf gesellschaftlicher Ebene zu positiven Veränderungen beitragen kann. Das schafft ein Gefühl von Übereinstimmung mit der Arbeit von ASI. Wir haben eine starke Akzeptanz des ASI-Zertifizierungsprogramms und von Jahr zu Jahr ein Wachstum der ASI-Mitgliedschaften gesehen. Zudem bauen wir ein großartiges Team innerhalb des ASI-Sekretariats auf. Diese wachsende Dynamik begeistert mich und gibt mir das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein – gemeinsam mit vielen Interessenvertretern, die ähnlich denken.

Was ist aus Ihrer Sicht die größte Herausforderung für Frauen in der Aluminiumindustrie?

Frauen sehen sich an vielen Arbeitsplätzen mit einer Reihe von Hindernissen konfrontiert und es kann lange dauern, bis sich Kulturen ändern. Zu den Problemen gehören Geschlechterstereotypen, die Frauen vom Eintritt in bestimmte Branchen abhalten, Gehaltsunterschiede, ein Mangel an weiblichen Führungskräften und Mentoren, ein Mangel an flexiblen Arbeitspraktiken und Kinderbetreuungsmöglichkeiten (für Männer und Frauen) und leider immer noch zuweilen unverhohlener Sexismus. Was zu einer bestimmten Zeit und an einem bestimmten Ort die kritischste Herausforderung ist, kann variieren, und manchmal kann eine historische Benachteiligung oder Diskriminierung in ihren Auswirkungen später nicht einfach rückgängig gemacht werden. Es ist wichtig, dass Organisationen sorgfältig darüber nachdenken, wie sie eine integrative Arbeitsplatzkultur fördern können.

Was denken Sie, wie sich die Rolle der Frau in letzter Zeit entwickelt hat und wie sie sich weiter entwickeln wird?

Wir sehen immer mehr weibliche Führungskräfte, aber sie sind immer noch eher die Ausnahme als die Norm. Es kann lange dauern, bis Neueinsteigerinnen in Führungspositionen ankommen, vor allem, wenn es sich um Absolventinnen handelt. Es muss jetzt damit begonnen werden, weibliche Führungskräfte aufzubauen.

Warum braucht die Aluminiumindustrie mehr Frauen?

Es gibt viele Studien, die zeigen, dass geschlechtsspezifische Vielfalt stark mit einer verbesserten Unternehmensleistung korreliert. Wettbewerbsvorteile sind das Eine. Noch wichtiger aber ist es, dass die Aluminiumindustrie die ganze Gesellschaft widerspiegelt, um so durch eine umfassendere Zukunftsvision bereichert zu werden.

 

Herzlichen Dank für das Gespräch! 

Das Interview führte Christian Reiß, Spokesman & Teamlead Content Management Germany bei Reed Exhibitions.