Was wurde aus... Pollmann?

Wir stellen die Uhren zurück und blicken auf: Pollmann. Die neue Serie “Was wurde aus...?” beleuchtet die Entwicklung von Unternehmen. Wussten Sie, dass das High Tech-Unternehmen seine Wurzeln nicht in der Automobilzulieferindustrie hat?

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Die Serie „Was wurde aus…?“ holt österreichische Unternehmen vor den Vorhang und beleuchtet ihre Entwicklung der letzten Jahrzehnte.  

Ende der 1970er Jahre noch als Großhändler für Uhren und Hersteller von Tonband-Zählwerken bekannt, ist das niederösterreichische Familienunternehmen Pollmann heute ein bedeutender Zulieferer für internationale Autohersteller. Präzise Technik war von Anfang an die Stärke von Pollmann. Denn der 1888 von Franz Pollmann in Karlstein (Niederösterreich), damals ein Zentrum der Uhrenproduktion, gegründete Familienbetrieb war auf die Erzeugung feinmechanischer Geräte und Uhrwerke für Küchen- und Zimmer-Uhren, Laufwerke und Druck-Messgeräte spezialisiert. 1930 schließlich wurde das Portfolio um Getriebe-, Bandtransporte und schreibende Messgeräte erweitert. 

Produktion wird eingestellt

Veränderungen und Innovationen prägen auch weiterhin die Firmengeschichte: 1958 nimmt das mittlerweile in Ernst Pollmann Uhren- und Apparatebau OHG umbenannte Unternehmen erstmals die Produktion von Zählerwerken, vorerst für Tonband- und Kassettengeräte, auf. Drei Jahre später werden auch Anzeige-Instrumente, Zwischenrelais und Federpakete hergestellt. Das Wachstum ist deutlich sichtbar: Mehr als 200 Mitarbeiter werden mittlerweile beschäftigt, die Produktionsflächen werden erweitert.

1968 verabschiedet sich Pollmann allerdings von seinen Wurzeln: die Produktion von Uhren wird eingestellt, stattdessen verlagern sich die Waldviertler auf den Uhren-Großhandel und die Herstellung von Tonband-Zählerwerken. 

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Alles begann mit der Uhrenproduktion im Waldviertel. Vom Uhrmacher zum globalen High Tech-Unternehmen. 

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Das Waldviertler Unternehmen ist zum Global Player in der Automobilzulieferindustrie aufgestiegen. 

Der Weg in die Automobilindustrie

Zwölf Jahre später steigt der Familienbetrieb, der im Laufe der Jahre vom Handwerks- zum Industrieunternehmen wurde, mit der Herstellung von Zählwerken für Tachometer als Zulieferer in die Automobilindustrie ein. Und gibt ab jetzt so richtig Gas: Im Laufe der Jahre wird Pollmann zum Spezialisten für die Entwicklung und Serienproduktion von hoch-komplexen leitfähigen Baugruppen im Metall-Kunststoff-Verbund und Weltmarktführer bei Schiebedach-Kinematiken und Türschloss-Gehäusen.

Nach Angaben des Unternehmens sind 93 Prozent aller namhaften Automobilmarken mit Teilen von Pollmann bestückt, rund 184.404.931 Automobilkomponenten werden dafür pro Jahr erzeugt. Und das zwar nicht mehr nur in Niederösterreich: Denn aus dem Waldviertler Unternehmen ist im Laufe der vergangenen Jahrzehnte ein Global Player geworden, der mittlerweile auch Standorte in Tschechien, den USA, China und Mexiko betreibt. Letzterer ist übrigens das jüngste „Kind“: Im Sommer 2020 wurde dort ein neuer Standort, etwa drei Stunden nordwestlich von Mexiko-City, gegründet, derzeit werden die Produktionshallen adaptiert. Ab Mitte 2021 sollen dort 1,4 Millionen Türschlosssysteme pro Jahr, etwa für Daimler und BMW, produziert werden. 

Wachstumschancen

Insgesamt werden weltweit mehr als 1.700 Mitarbeiter beschäftigt, 2019 wurden rund 181 Millionen Euro umgesetzt. Die Weichen stehen nach wie vor auf Wachstum: Im Vorjahr wurde beispielsweise in der dritten Ausbaustufe das Werk von Pollmann China auf nahezu die doppelte Größe, nämlich auf 20.500 Quadratmeter Fläche, erweitert. Im Sommer dieses Jahres hat das neue Werk Pollmann II in Vitis, in das insgesamt 17 Millionen Euro investiert wurden, den Betrieb aufgenommen. Schließlich wollen auch die Wachstumschancen im Bereich Hybrid- und E-Mobilität optimal genutzt werden.

© Pollman International / Hartwig Zögl
Rund 184.404.931 Automobilkomponenten werden pro Jahr in den Produktionshallen weltweit von Pollmann gefertigt. 

Text von Ursula Rischanek.