Was eine Melange mit der „Smart“ zu tun hat

Wie digital wird die „Smart Automation Austria“ 2021? Und was hat das denn mit einem Kaffee zu tun? Es geht um mehr als Kaffee mit Milch…

Eine Wiener Melange ist eigentlich nur Kaffee mit Milch und einer Haube aus Milchschaum. Der Kaffeegenießer rührt um, legt den Löffel beiseite und macht sich vermutlich keine Gedanken, welche Geschmackswelten er soeben vermischt hat. Steht der Kaffee für die analoge Messe und die Milch für die digitale Komponente, wird man sich vermutlich die Zunge verbrennen. Ein heißes Thema, denn so einfach lassen sich diese Themen bei einer Fachmesse doch nicht kombinieren. Meinen Sie? Wir haben Georg Warsberg, Category Manager für Industriemessen bei Reed Exhibitions, bei einer Melange dazu befragt.

© Reed Exhibitions / Sebastian Datzreiter
Die Mischung macht’s, dann schmeckt die Melange auch Georg Warsberg. 

Reed Exhibitions: Herr Warsberg, die Wiener Smart abgesagt, jetzt steht Linz am Plan, aber …

Georg Warsberg: Kein Aber, wir freuen uns schon riesig die Tore des Linzer Design Centers von 18. bis 20. Mai 2021 öffnen zu dürfen.

Keine Angst vor einer zweiten Virus-Welle?

Warsberg: Natürlich schwingt das irgendwo gedanklich mit, dafür ist man viel zu oft in den Medien damit konfrontiert. Aber hier eine Aussage zu treffen, wäre wie Kaffeesudlesen. Wir arbeiten mit Höchstleistung an einer erfolgreichen Smart 2021 – komme was da wolle.

 

Bei der „Intertool“ geht man neue Wege. Ist das auch für die „Smart“ 2021 geplant?
Warsberg: Als professioneller Dienstleister haben wir unser Ohr am Markt. Das Konzept der Fachmesse für Automatisierung funktioniert deswegen so gut, weil es die Bedürfnisse und Wünsche der Branche par excellence erfüllt.

Das heißt, Sie ruhen sich auf den Lorbeeren der Vergangenheit aus?

Warsberg: Natürlich nicht. Wir arbeiten laufend an einer Optimierung des Messekonzeptes. Dazu zählen zum Beispiel unsere digitalen Produkte.

Erklären Sie das bitte näher.

Warsberg: Als Messeveranstalter bieten wir eine riesige Plattform für Netzwerken und Wissenstransfer. Das Angebot ergänzen wir nun durch ein digitales Ökosystem, eine 365-Tage-Plattform genannt Reed Industry. Sie kann von unseren Ausstellern als zusätzlicher Kommunikationskanal für einen erweiterten Kundenkreis genutzt werden.

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Keine Schaumschlägerei – die neue Themenplattform Reed Industry.

In punkto digitale Messe meint Marcus Schellerer, Geschäftsführer von Rittal, die Mischung macht’s. Er spricht dann von einer „Melange“. Ist die Digitalisierung der Milchschaum?

Warsberg: Dass die Automatisierungstechnik schon lange um digitale Themen erweitert wird, ist klar. Dass wir die Digitalisierung damit in unser Messekonzepte integrieren, aber auch. Und ja damit ist die Digitalisierung hier die Milch im Kaffee, um bei ihrem Beispiel zu bleiben.

Haben Sie keine Bedenken, dass Ihnen die digitalen Angebote irgendwann die physische Messe kannibalisieren? Warum zur Messe gehen, wenn‘s digital auch von zu Hause geht?

Warsberg: Eine physische Messe kann durch einen virtuellen Zwilling nie ersetzt werden.

Warum sind Sie sich da so sicher?

Warsberg: Die Sehnsucht nach einer physischen Messe ist bei unseren Kunden spürbar. Man will wieder netzwerken, eine Messe wieder persönlich besuchen. Wieder in die Normalität eintauchen und gemeinsam einen Kaffee trinken.

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Warsberg ist zuversichtlich, dass die physische Messe Bestand hat.

Eine Zeitlang schien es, man möchte die „Intertool“ in die „Smart“ integrieren. Jetzt deutet sich ein Umkehrschwung an…

Warsberg: Obwohl wir mit der „Intertool“ nach Wels gehen, werden wir die „Smart Automation“ am Messestandort Linz nicht einfrieren. Das Konzept der „Smart“ in Linz bleibt wie es ist, nur Details werden verfeinert. Für die „Intertool“ erarbeiten wir ein gänzlich neues Konzept.

Im AUTstanding-Webcast haben wir gesehen, woran die Jugend für die Zukunft der Automatisierung arbeitet. Beeindruckende Projekte…

Warsberg: …die deutlich zeigen, dass in Zukunft viele Themen dank Digitalisierung miteinander vernetzt werden. Sogar in der Baubranche. Das Projekt „Sodex“, treibt die mobile Automatisierung auf die Spitze, indem es einen Industriebagger autonom graben lässt. Entwickelt haben das Schüler der HTL Rankweil in Vorarlberg, die damit verdient den ersten Platz des HTL-Wettbewerbs für Automatisierungstechnik von Weka Industrie Medien erreichten.

Da wir schon über die Zukunft sprechen. Was bietet die „Smart“, um das Interesse bei den „Digital Natives“ als Fachbesucher zu wecken?

Warsberg: Mit unseren digitalen Produkten informieren wir auch die digital-affine Generation über Branchenthemen, Innovationen und Produktneuheiten. Der AUTstanding-Wettbewerb von Weka Industrie Medien, wo wir Partner waren, hat gezeigt, dass es eine Bühne für HTL-Projekte braucht.

…aber das kann auch eine virtuelle Plattform sein, wie der Webcast von AUTlook gezeigt hat?

Warsberg: Ja natürlich, aber vergessen wir nicht, dass die virtuelle Bühne nur aufgrund der Covid-19-Situation gewählt wurde.

Konnte Sie die virtuelle Bühne also nicht überzeugen?

Warsberg: Doch, ich sehe sie als hervorragende Ergänzung zur analogen Veranstaltung. 

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Messeformate werden weiter ausgebaut, es wird sozusagen die Syntax erweitert, meint Warsberg. 

Ist das Zeitalter der hybriden Messe angebrochen?

Warsberg: Eindeutig ja. Unsere Plattformen bilden das Fundament, sozusagen den Code einer Automatisierungslösung. So unterschiedlich Programmiersprachen auch sein mögen, so haben sie doch eine ähnliche Syntax.

Und darauf aufbauend werden die Messeformate weiter ausgebaut?

Warsberg: Genau, als Erweiterung der Syntax. Es braucht gerade für jüngere Generationen, die ein digitales Zeitalter mitbegründen, neue Formate und die bieten wir bereits an – einen Mix aus realer und digitaler Messe. Das Zeitalter einer hybriden Messe. 

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Das Gespräch führte Jasmin Ladinig, Content & Brand-Manager Reed Exhibitions Österreich.

Vielen Dank für das Gespräch!