1. Dezember 2021

TU Wien will an die KI-Weltspitze

Was ist Künstliche Intelligenz? Tatsächlich umfasst der inflationär eingesetzte Begriff mehrere Methoden, allen voran Artficial Intelligence und Machine Learning. Ein neues Forschungszentrum der TU Wien will die beiden Welten besser vernetzen – und Österreich damit zu einem Hotspot der internationalen Forschung machen.

An der TU Wien zeigt sich das Dilemma in a nutshell: Artificial Intelligence und Machine Learning werden hier seit Jahren intensiv erforscht – an unterschiedlichen Fakultäten und mit unterschiedlichen Methoden. Das ist angesichts der gravierenden methodischen Unterschiede natürlich berechtigt, allerdings: „In diesem Bereich haben sich im Lauf der Jahrzehnte verschiedene Communities entwickelt, die nicht so gut miteinander verflochten sind, wie sie sein sollten.“

Die Richtungen zusammenführen

Eine Kritik, die aus der Community selbst kommt. Stefan Woltran ist Professor am Institut für Logic and Computation der TU Wien, und ihm schwebt anderes vor: „Es gibt in der künstlichen Intelligenz ganz unterschiedliche Ansätze, die auch von unterschiedlichen Leuten in unterschiedlichen Fachjournalen und auf unterschiedlichen Fachtagungen diskutiert werden. Wir möchten diese unterschiedlichen Richtungen nun zusammenführen.“

Gemeinsam zu intelligenten Systemen

Einen Mitstreiter hat Woltran in Clemens Heitzinger. Der Professor am TU-Institut für Analysis and Scientific Computing erklärt: „Die beiden Lager – die symbolisch arbeitende AI und das maschinelle Lernen – haben sich aus historischen Gründen unterschiedlich entwickelt. Es zeigt sich aber immer deutlicher, dass erst ein Zusammenspiel der Methoden intelligente Systeme ermöglicht. Wichtige Faktoren sind auch die Datenmengen und die Rechenleistung, die es heutzutage möglich machen, Probleme zu lösen, die noch vor wenigen Jahren als unlösbar galten.“

 

TU Wien startet neues Forschungszentrum

Um das Zusammenspiel zu befördern, startet Anfang Dezember das Center for Artificial Intelligence and Machine Learning (CAIML). Und das nimmt sich Giganten wie das MIT oder die Stanford University zum Vorbild: Das CAIML soll helfen, die TU im internationalen Spitzenfeld zu verankern, sowohl in der Forschung an AI und ML als auch in der Lehre. 

 

© TU Wien
Stefan Woltran will "die unterschiedlichen Richtungen nun zusammenführen".

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Clemes Heitzinger: "Es zeigt sich immer deutlicher, dass erst ein Zusammenspiel der Methoden intelligente Systeme ermöglicht." 

„Explainable AI“

Das neue Forschungszentrum verfolgt den Ansatz der „explainable AI“: „Wenn ein Algorithmus nützliche Ergebnisse liefert, ist das zwar ein wichtiger erster Schritt, aber man möchte eine künstliche Intelligenz nicht einfach nur als Black Box betrachten, sondern man will auch verstehen, wie sie zu ihrem Ergebnis gekommen ist, und wie zuverlässig dieses Ergebnis ist“, erklärt Clemens Heitzinger. „Um das zu erreichen, müssen wir die unterschiedlichen Denkschulen vereinen.“

Ein Zentrum, drei Ziele

Das CAIML will einerseits die Kooperation innerhalb der TU stärken. Gleichzeitig aber soll es auch die Internationalisierung vorantreiben und die TU in diesem Bereich an der internationalen Spitze etablieren. Ein drittes Ziel ist die verbesserte Verbindung zwischen Grundlagenforschung und Anwendung: Das Know-how im Bereich von Artificial Intelligence und Machine Learning an der TU Wien soll auch für Forschungsgruppen zugänglich gemacht werden, die AI und ML als Werkzeuge für die eigene Forschung einsetzen wollen. Auch Partnerunternehmen aus der Industrie sollen noch stärker als bisher an die TU Wien angebunden werden.