Trumpf und Sick entwickeln den ersten industriellen Quantensensor

Partikel messen, die rund 200 Mal kleiner sind als ein menschliches Haar? Was bislang vor allem in der Forschung zum Einsatz kam, bringt das Start-Up Q.ant 2021 auf den Markt.

© Trumpf Group, Sick AG
Hochpräzise Messungen, neue Anwendungen in der Industrie: Der Quantensensor von Q.ant und Sick wird 2021 erstmals mit Kunden getestet. 

Was ist eigentlich ein Quantensensor? Vereinfacht gesagt, ein kleines Gerät, das ein physikalisches Signal in einen Messwert umsetzt. Nun will man aber dazu Quanteneffekte einsetzen. Weshalb? Um hochpräzise Messungen von Partikeln vornehmen zu können. Damit das gelingt, haben das Start-Up Q.ant, einer hundertprozentigen Tochter von Trumpf, und Sick einen Kooperationsvertrag zur Entwicklung quantenoptischer Sensoren unterzeichnet. Könnte das für eine langersehnte Revolution in der Messtechnik sorgen? Wir haben uns das angesehen. 

Schlüsseltechnologie für die Zukunft der Industrie

Die beiden Unternehmen wollen Quantentechnologie für Sensoren im industriellen Einsatz nutzbar machen. “Quantensensoren sind für die Zukunft der Industrie eine Schlüsseltechnologie“, ist Robert Bauer, Vorstandsvorsitzender der Sick AG, überzeugt. Nachdem Q.ant und Sick nun erstmals Funktionstests einer Anwendung für die Industrie erfolgreich abschließen konnten, ist ein Marktstart für 2021 geplant.

Quantensensoren erlauben hocheffiziente Messungen, die mit herkömmlichen Verfahren nicht möglich sind. So können Partikel, die 200 Mal kleiner als das menschliche Haar sind, erfasst werden. Der Verbund von Q.ant und Sick sorgt nun dafür, dass diese Technologie kommerzialisiert wird.  

© Sick AG
„Mit dem Einstieg in die Quantensensorik baut Sick seine weltweite Technologieführerschaft in der Sensorik-Branche aus,“ so Bauer.

© Trumpf Group
„Quantentechnologie ist für die deutsche und europäische Industrie eine riesige Chance. Diese Partnerschaft zweier Hochtechnologieunternehmen überführt sie nun erstmals in ein serienfähiges Produkt“, sagt Peter Leibinger, Chief Technology Officer bei Trumpf. 

Ein Markt für Quantensensoren

Die Trumpf-Tochter Q.ant mit Sitz in Stuttgart übernimmt mit 15 Mitarbeitern die Fertigung der Messtechnik – und damit das technologische Herzstück des Sensors. Sick hingegen übernimmt die Anwendungsentwicklung und den Vertrieb des Produkts. Einen Markt und auch Marktwachstum für industrielle Quantensensoren gibt es jedenfalls. Experten der Deutschen Akademie für Technikwissenschaften Acatech schätzen das Marktvolumen weltweit auf rund 1,1 Milliarden Euro bis im Jahr 2023. 

Einsatzbereiche für Quantensensoren

Wo kann uns also ein Quantensensor im industriellen Umfeld begegnen? In welchen Branchen wird er bald zum Alltag gehören? Die Einsatzbereiche sind vielzählig. Im Tiefbau lassen sich beispielsweise unterirdische Strukturen noch vor Baubeginn abbilden. In der Pharmaindustrie könnte sich die beste Zusammensetzung von Tablettenpulver einfacher bestimmen lassen. Selbst in der Elektronik findet sich ein Anwendungsgebiet: Schaltkreise können durch Oberflächen hindurch inspiziert werden. Und hochpräzise Messungen braucht es in der Industrie sowieso. 

Quelle: Trumpf

Text von Jasmin Ladinig, Teamlead Content Management.