So will die Regierung Investitionen in Digitalisierung fördern

Im Fokus: Additive Fertigung und nachhaltige Produktion. Mit Investitionsprämien sollen Digitalisierungsprojekte forciert werden. Ob das auch gelingt? 

© Reed Exhibitions
Österreich hat hier (wieder einmal) das Nachsehen. Bis zu 70% staatliche Förderung erhält man in Deutschland.

Die Investitionsprämie für Digitalisierung in Österreich beträgt bis zu 14 Prozent. Schön und gut, immerhin trägt das zum wirtschaftlichen Aufschwung bei. Aber wussten Sie, dass man in Deutschland bis zu 70 Prozent erhält? Da lässt sich neidisch werden. 

Dass es dringend Investitionen braucht, weiß auch Thomas Janics. „Unternehmen weisen aufgrund der Coronakrise und Lockdown-Maßnahmen der Regierung Umsatzrückgänge auf und Investitionen helfen sehr,“ so der Geschäftsführer bei Hage3D, einem Unternehmen, das sich auf Additive Fertigung spezialisiert hat. Eigentlich nichts  Neues. Doch der Teufel liegt im Detail: Umsatzrückgänge auf der einen Seite, Investitionen on hold auf der anderen. „Das ist kritisch für die Industrie”, mahnt Janics.

1:0 für Deutschland

Entwicklungszyklen werden kürzer und “Time-to-market" ist ein kritischer Erfolgsfaktor geworden. Das bietet Chancen für die additive Fertigung, sie rückt in den Mittelpunkt der Unternehmen. Bislang hat in mittelständischen Unternehmen ganz einfach die Zeit gefehlt, sich mit dieser Technologie zu beschäftigen. Sobald es aber Förderungen gibt, schafft man Ressourcen. Bringen diese aber wirklich den gewünschten Digitalisierungsboost?  

Vergleicht man die staatlichen Förderungen Österreichs mit Deutschland, ist man hierzulande eindeutig im Nachteil. Bis zu 14 Prozent Investitionsprämie sind in Österreich möglich, bis zu satte 70 Prozent gibt es in Deutschland – und das bis Ende 2023. Woran das liegt? Die Förderstrukturen in Österreich und Deutschland sind unterschiedlich. Janics spricht von einem Gießkannenprinzip in Österreich. Von IT Security bis zur 3D-Druckern“. “Ist der Fördertopf leer, wird aufgestockt”, so zumindest die Auskunft des Austria Wirtschaftsservice.  

 

© Hage3D
Thomas Janics, Geschäftsführer von Hage3D, spricht von einem Gießkannenprinzip bei Förderungen.

© shutterstock
Die Automobilindustrie ist geschwächt. Covid-19 beeinträchtigt auch das Herzstück der Mobilität. 

Investitionen werden aufgeschoben

Klar, Investitionen sind stark branchenabhängig. Die Automobilindustrie, der Big Player im Investitionsgeschäft, "ist in den letzten Monaten bei Investitionen konservativ geworden", meint Janics. Dabei sollte gerade diese durch E-Mobilität aufblühen. Die gebeutelte Automotive-Sparte leidet nun dank Corona noch mehr. 

HAGE Sondermaschinenbau, die Kerngesellschaft in der steirischen HAGE – Holding der Familie Hampel, spezialisiert sich seit Jahren auf sehr innovative Sonderlösungen für Automotive, Schienen- und Raumfahrtindustrie. Und das erfolgreich. Diese Innovationskraft hat auch dazu geführt, vor einigen Jahren mit Hage3D ein Unternehmen auszugründen, das sich rein der additiven Fertigung verschrieben hat. Ein kluger Zug, wie es scheint.  

Der richtige Zeitpunkt für Förderungen

AM (Additive Manufacturing) wurden erst in den letzten fünf Jahren wirklich interessant. Begründet wird das mit den Kosten und Anwendbarkeit der Technologie. Die derzeitige Investitionsförderung kann seit 1. September 2020 beantragt werden und erlaubt KMUs additive Verfahren in ihre Prozesse zu integrieren. In Österreich hat die Bundesregierung mit der „aws Investitionsprämie“ ein neues Förderprogramm konzipiert. Jetzt sei der richtige Zeitpunkt für Förderungen, denn die Dynamik in den einzelnen Branchen verändert sich. Davon ist Janics überzeugt. 

Spitzenreiter im industriellen 3D-Druck

Hage3D profitiert von dieser Förderung. Denn, insbesondere Unternehmen im F&E-Bereich setzen auf 3D-Druckanlagen. Branchenlimitierung? Gibt es nicht, Potenzial gibt es für unzählige Anwendungen. Spezialisiert hat sich Hage3D auf die additive Materialextrusion technischer Polymere. Und da zählt man zu den Vorreitern für F&E-Anwendungen. 

Das große Asset der AM-Technologie von Hage3D ist die Kombination aus CNC-Knowhow in 3D-Druckern und das modulare Druckkopfsystem. Das schafft Variabilität bei Bauteilen und Werkstoffen. Lokale Fertigung funktionaler Bauteile werden durch Mehrkomponentendruck ermöglicht, ebenso Losgröße 1 mit unterschiedlichen Kunststoffklassen. Neu am Markt ist eine Convertible-Anlage basierend auf einer Siemens Sinumerik – Steuerung. Innerhalb kurzer Zeit kann die Maschine vom Anwender selbst von drei auf fünf Achsen umgestellt werden. Eine Herausforderung für Maschinenbauer. Das Highlight: Der Wechsel von Filament-Druckköpfen auf Granulat. Damit gehört Hage3D zu den europäischen Spitzenreitern im industriellen 3D-Druck.  

© Hage3D
Die neueste 3D-Druckanlage kann mehr: die Hage3D 175 Convertible.

© Hage3D
3D-Druck war bislang eine Frage der Rohstoffkosten und Druckzeit, weiß Katschnig.  

Ausblick für die additive Fertigung

In der Druckkopftechnologie sieht Matthias Katschnig, Leiter der Forschung und Entwicklung bei Hage3D, noch „viel Potenzial, zum Beispiel für große Bauteile. Bislang ist es hier eine Frage der Rohstoffkosten und der Druckzeit. Daher haben wir einen Granulatdruckkopf entwickelt, der mit günstigerem Ausgangsmaterial arbeiten kann und hohe Ausstoßleistungen garantiert. 

Der für die 3D-Druckszene aussagekräftige Wohlers Report spricht von rund 30% Umsatzwachstum pro Jahr. Janics geht davon aus, „dass die AM-Branche heuer das Umsatzniveau von 2019 erreichen wird. Die Branche wird mit einem blauen Auge davonkommen. Aber wir werden vermutlich erst 2022 das geplante Umsatzwachstum von 2020 verzeichnen können.“ Das ist der Coronakrise geschuldet.