Industriegeflüster: Ist Pay-per-Part die Lösung?

Pay-per-Use, Digital Production as a Service, Pay-per-Part – sie alle haben eines gemeinsam, nämlich disruptive Geschäftsmodelle für eine flexible Kleinserienfertigung. Wir haben nachgefragt, wie Branchenführer und Fintech-Start-Ups darüber denken. 

© Trumpf Group

Bestandskunden beim Wachstum helfen

Mathias Kammüller, Gruppengeschäftsführer und Chief Digital Officer der Trumpf Group

„Mit dieser Partnerschaft werden wir uns so deutlich wie noch nie in neue Geschäftsmodelle vorbewegen. Sie wird ein erster Schritt sein, um unseren Kunden als Alternative zu traditionellen Maschinenkäufen auch Fertigungskapazitäten ohne größere Vorinvestitionen zu ermöglichen. Zudem sind wir davon überzeugt, mit diesem Angebot nicht nur Bestandskunden beim Wachstum zu helfen, sondern auch neue Kunden zu gewinnen.“

Erschließung neuer Märkte

Torsten Jeworrek, Mitglied des Vorstands bei Munich Re

„Mit der FlexFactory haben wir gemeinsam mit unseren Partnern eine zukunftsweisende Plattform zur Erschließung neuer Märkte ins Leben gerufen, die eine zentrale Herausforderung moderner Produktion adressiert. Unsere Kooperation unterstreicht einmal mehr die Innovationskraft und Lösungskompetenz von Munich Re als Risikomanager und Finanzierungsexperte für die Industrie 4.0.“

© Munich Re

© Findustrial

Risiko einer Investition wird nicht mehr alleine getragen

Günter Hehenfelder, CEO und Gründer von Findstrial

„Um als Maschinen- und Anlagenbauer im heutigen, sehr fordernden wirtschaftlichen Umfeld erfolgreich zu sein, braucht es neue Ansätze. Einerseits möchte man die Abhängigkeit von Einmalumsätzen reduzieren, die ein Unternehmen gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten massiv belastet und andererseits fordern die Kunden neue Angebote, da man das Risiko einer Investition nicht mehr alleine tragen möchte.

Pay-per-Use Finanzierungen sind hier ein hochspannendes Feld. Es kurbelt einerseits die notwendige Digitalisierung der Produkte an und liefert andererseits schon einen ersten echten Nutzen aus den gewonnenen Daten. Darauf aufbauend können weitere Services entwickelt werden, um schlussendlich zu einem echten neuen Geschäftsmodell mit wiederkehrenden Umsätzen zu kommen.“

Großer Bedarf an individualisierten Produkten

Lutz Meschke, Stellvertretender Vorsitzender und Vorstand Finanzen und IT bei Porsche AG

„Das Interesse der ersten potenziellen Kunden zeigt uns, dass es einen großen Bedarf an individualisierten Produkten gibt. Dieses Joint Venture ist noch klein, aber fein. Es kann die Herausforderung lösen, auch Kleinserien wirtschaftlich zu fertigen und damit ein neues Kapitel der industriellen Produktion aufschlagen. Deshalb bringen wir die Produktionskompetenz von Porsche mit dem Software-Knowhow von MHP und der Risikomanagement-Expertise von Munich Re zusammen.“ 

© Porsche AG

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Investitionskosten werden zu operativen Kosten umgewandelt

Paul Bruckberger, CEO und Co-Founder von linx4

„Gerade jetzt in bzw. nach der Covid-Krise wächst das Interesse an digitalen und flexiblen Finanzierungsleistungen in der produzierenden Industrie stark, bei denen die Rückzahlung an die tatsächliche Nutzung gekoppelt ist. Neue Pay-per-Use Finanzprodukte schaffen Anreiz für alle Seiten: Der Betreiber optimiert seinen Cashflow und seine Bilanz (Investitionskosten werden in operative Kosten umgewandelt – CAPEX zu OPEX) und minimiert sein Risiko. Der Hersteller kann seinen Maschinenabsatz durch Wegfall von Investitionshürden steigern und verbucht weiterhin sofort den Verkaufspreis. Für Finanzinvestoren eröffnet sich eine attraktive Assetklasse.“

Es gibt eine „Zwei-Klassengesellschaft“

Christian Eberhardt-Motzelt, Area Sales Manager bei ZwickRoell und Vorstandsmitglied der Vereinigung Österreichischer Vertriebsmanager (VÖVM)

„Das Finanzierungsvolumen im Operating-Leasing für Produktionsanlagen überstieg 2018 erstmals 39 Milliarden Euro. Absatzfinanzierung wird ein immer wichtigeres Thema. Im Austausch mit rund 100 Vertriebsleiter-Kollegen im Rahmen der VÖVM zeigt sich, dass hier eine ‚Zwei-Klassengesellschaft‘ besteht. Einige im Mittelstand widmen sich dem Thema intensiv, können sich damit bei ihren Kunden differenzieren. Viele Kunden haben jedoch keine strategische Bewertung bzw. Entscheidung zu modernen Finanzierungsmodellen für Investitionsgüter getroffen – was die Absatzsteigerung über dieses Instrument noch erschwert.“

© Christian Eberhardt-Motzelt