Industriegeflüster: Industrielle Transformation versus Coronakrise

Hat die Coronakrise die industrielle Transformation beschleunigt? Wurde Digitalisierung in den Unternehmen gar zu rasch vorangetrieben? Wie sich die aktuelle Krise für Branchenführer darstellt hat und wie diese Unternehmen in die Zukunft blicken.  

© Festo Österreich

Rainer Ostermann, Geschäftsführer Festo Österreich

Corona hat die Digitalisierung vorangetrieben. Es gibt Vorreiter, die sich intensiv mit neuen Technologien und ihren Möglichkeiten auseinandersetzen – andere sind noch sehr zögerlich. Dabei geht es jedoch nicht nur um neue Maschinen, sondern um ein umfassendes Umdenken, ein neues Mind-Set bei den Menschen. Wenn einige Unternehmen die Zeit genutzt haben, um sich auf die nächsten Schritte in Richtung Digitalisierung vorzubereiten, ist das bestimmt nicht falsch. Der Weg in Richtung Industrie 4.0 ist keinesfalls starr vorgeben – es gibt viele Einflüsse aus allen Richtungen. Bionik ist aus unserer Sicht weder Trend noch Hype – wir verstehen sie vielmehr als Inspiration. Die Natur hat im Laufe der Evolution interessante Lösungen hervorgebracht. Also schauen wir genau hin, lernen und übertragen das Gelernte in die Technik. So wurden bereits aus einigen Future-Concepts interessante Produkte, die unsere Kunden zum Einsatz bringen.

Walter Eichner, Business Development Manager Beckhoff Automation

Die Coronakrise hat den Grundgedanken der Digitalisierung in den Unternehmen verstärkt. Aber das Tempo der Realisierung war und ist in den verschiedenen Branchen unterschiedlich. Viele unserer Kunden haben auf Grund technologischer Vorteile eine Vorreiterrolle eingenommen – in konservativen Branchen und traditionellen Industrien ist das Tempo geringer. Der Wechsel ins Homeoffice hat gezeigt, wer schon ausreichend infrastrukturell gut ausgerüstet war und wer noch hochrüsten musste. Wir haben schon früh die Vereinigung von Informationstechnologie und Automatisierung herbeigeführt – heute Industrie 4.0. Wir setzen kontinuierlich auf Weiterentwicklung und Innovation, wie z. B. jüngst mit dem intelligenten Transportsystem XPlanar, der echtzeitfähigen Integration von Machine Learning, Smart Engineering direkt in der Cloud und der kompletten Leistungsmesskette vom Sensor bis in die Cloud.

© Walter Eichner

© Lenze Austria

Jörg Fuhrmann, Geschäftsführer Lenze Austria Holding

Corona hat definitiv zu einem digitalen Wandel beigetragen. Viele Unternehmen wurden gezwungen schneller als ursprünglich geplant zu digitalisieren – Lenze war gut vorbereitet, wodurch geplante Digitalisierungsschritte rasch umgesetzt wurden.

So konnten und können wir unseren Kunden in Ihrer Wertschöpfungskette durchgängig begleiten. Ein Beispiel das durch Corona einen super Push bekommen hat: Unser x520 oder x4remote war genau zum richtigen Zeitpunkt am Markt, um remote Maschinen bedienen und monitoren zu können. Das zeigt – unsere Strategie und Automatisierungsausrichtung sind nicht nur zeitgerecht, sondern richtig und zukunftsorientiert.

Franz Chalupecky, Vorstandsvorsitzender ABB AG Österreich

Die Transformation hin zu einem steigenden Digitalisierungsgrad in der Industrie wurde und wird durch COVID-19 beschleunigt. Unternehmen, die bereits vor dem Lockdown beispielsweise über Möglichkeiten verfügt haben, Ihre Anlagen remote zu steuern oder dank virtuellem Engineering neu zu konfigurieren oder zu erweitern haben klare Wettbewerbsvorteile, ebenso wie jene, die Produktionspausen gezielt für präventive Serviceeinsätze nutzen konnten. Das Produktportfolio von ABB angefangen von Industrieautomation mit Prozessleitsystemen sowie Messtechnik und Analyse, ebenso wie unsere Geschäftsbereiche Robotik & Fertigungsautomation, Antriebstechnik und Elektrifizierung bietet gleichsam für aktuelle und zukünftige Herausforderungen attraktive Lösungen. Wenn Österreich und Europa die Chancen der vierten / digitalen Industriellen Revolution entsprechend nutzen, könnte die Wettbewerbsposition der heimischen Industrie gestärkt werden.  Als ein führendes Technologieunternehmen, das weltweit die Transformation von Gesellschaft und Industrie in eine produktivere und nachhaltigere Zukunft energisch vorantreibt, ist ABB auch in herausfordernden Zeiten ein verlässlicher Partner auf diesem Weg, in der digitalen, wie auch in der physisch realen Welt. Je nach den gegebenen Rahmenbedingungen werden wir deshalb auch an physischen oder digitalen Messeformaten teilnehmen bzw. werden Messen zukünftig vermutlich ohnehin verstärkt beide Bereiche abdecken.

© ABB AG Österreich