Autonomes Fahren: Könnte ein Reifenhersteller für mehr Sicherheit sorgen?

Der Premium-Reifenhersteller Hankook will Straßenverhältnisse mittels Künstlicher Intelligenz (KI) analysieren und so Verkehrsrisiken identifizieren. Ob das auch gelingt?

Autonomes Fahren soll sicherer werden. Hersteller wie Tesla arbeiten seit Jahren aktiv daran. Teststrecken in Deutschland und den USA liefern bereits valide Ergebnisse. Demnach sollten die Unfallzahlen sinken. Für 90 Prozent aller Crashes ist aber immerhin noch der Mensch verantwortlich. Auf den Straßen lauern aber auch noch andere potenzielle Gefahren: Regen, Schnee, Glatteis, Schlaglöcher. Wie diese vermieden werden können und warum es dazu Künstliche Intelligenz (KI) und Deep Learning braucht.

Die Automotive-Industrie voranbringen

Die Partnerschaft des Reifenherstellers Hankook und dem Daten- und Testunternehmen SK Planet zielt auf die Vermeidung eben jener Risiken ab. „Sicherheit hat bei Hankook oberste Priorität. Unsere Partnerschaft mit SK Planet zur Entwicklung einer Lösung zur Risikoerkennung trägt somit zur Fahrsicherheit als unserem wichtigsten Unternehmenszweck bei. Im Einklang mit dem Engagement von Hankook Tire für die digitale Transformation wird diese Partnerschaft auch die Automotive-Industrie weiter voranbringen,“ ist Klaus Krause, Leiter des europäischen Forschungs- und Entwicklungszentrums bei Hankook, überzeugt.

© Hankook Tire
Eine Partnerschaft, die Innovationen hervorbringt und zur allgemeinen Fahrsicherheit beträgt: Hankook und SK Planet. 

© Hankook Tire
Schnee liefert eine Menge Daten über den Straßenzustand. 

Überwachungssystem in Echtzeit

Worum geht es aber konkret? Hankook entwickelt in Kooperation mit SK Planet ein Überwachungssystem von potenziellen Verkehrsrisiken in Echtzeit. Gibt es schon? Ja, aber die sogenannte „Road Risk Detection Solution“ setzt KI und Deep Learning ein. Ein neuer Ansatz. Wozu? Um Straßengeräusche vorbeifahrender Autos zu analysieren. So erkennt das System potenzielle Gefahren wie Regen, Schnee oder Glatteis und Unfälle. 

Daten, Daten, Daten

Deep Learning ist Wissenschaft, genauer gesagt eine Data Science-Methode. Sie kommt dann zum Einsatz, wenn große Mengen unstrukturierter Daten verarbeitet werden müssen. In der Automobilbranche ist Deep Learning schon länger im Einsatz, zum Beispiel in der Erkennung von Verkehrsschildern oder Ampeln. Bei Hankook werden Daten zum Straßenzustand in Echtzeit an verschiedene Abteilungen für öffentliche Verkehrssicherheit und Instandhaltung gemeldet. Diese können zeitnah entsprechende Gegenmaßnahmen einleiten. Die Basis des Systems bilden also Daten. Eh klar. Für den Einsatz von KI wird eine Vielzahl an unterschiedlichen Geräuschdaten benötigt. Diese steuert Hankook bei. Das soll die Genauigkeit der Technologie verbessern. Auf Teststrecken in Geumsan, Korea und Ivalo, Finnland, werden umfangreiche Daten gesammelt. Das Patent für die Schallverarbeitung und die dazugehörige Deep Learning-Technologie besitzt SK Planet. Eine perfekte Kombination, die das System erst ermöglicht. 

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Auf den Teststrecken in Finnland und Korea werden große Datenmengen gesammelt. 

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Schnee liefert eine Menge Daten über den Straßenzustand. 

Weitere Zukunftstechnologien

Hankook spielt auch bei der digitalen Innovation im Automotive-Sektor eine führende Rolle. Gemeinsam mit der koreanischen Universität KAIST (Korean Advanced Institute of Science & Technoloy) arbeitet Hankook an weiteren Zukunftstechnologien, wie dem „Virtual Compoung Design“ System. Dabei werden die Eigenschaften von Reifenmischungen prognostiziert und optimal kombiniert. Durch die Partnerschaft mit KAIST konnte die Genauigkeit des Verfahrens vor allem dank neuer KI-Technologien deutlich verbessert werden. In dem von Hankook initiierten Innovationsprojekt mit dem Londoner Royal College of Art brachten Designer „Hexonic“ hervor. Sieben separate Sensoren auf dem Reifenprofil scannen die Straße in Echtzeit. Straßenbedingungen wie Griffigkeit, Temperatur und Belagszustand werden vom Reifen erfasst. Die Reifenlauffläche passt sich entsprechend an. Für höchsten Fahrkomfort. 

Reifen weltweit im Einsatz

In weltweit fünf Entwicklungszentren und acht Großfabriken entwickelt und produziert Hankook Tire mit 20.000 Mitarbeitern Bereifungslösungen, die speziell auf die Anforderungen und Ansprüche regionaler Märkte zugeschnitten sind. Die innovativen Hochleistungsradialreifen werden für Pkws, SUVs, Geländewagen, LKW und Busse aufgezogen. Aber auch im Motorsport ist man ganz vorne mit dabei. In der DTM (Deutsche Tourenwagen Meisterschaft) setzt man schon lange auf den Premium-Reifenhersteller. Neu: Im Rennsport hat nun auch die FIA (Federation Internationale de l’Automobile) Hankook für die „ABB FIA Formula E World Championship“ als neuen Reifenpartner bestätigt. 

 

Text von Jasmin Ladinig, Teamlead Content Management