Deloitte: 80 Millionen digitale Zwillinge für Österreich

Digitale Kopien von Produkten, Prozessen oder Diensten revolutionieren unsere bisherige Art zu produzieren. Wie massiv, verrät eine Studie von Deloitte. 

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Digitale Zwillinge sorgen für eine Effizienzsteigerung, eine größere Flexibilität und Transparenz. 

„Grenzenlos vernetzt: Smarte Digitalisierung durch IoT, Digital Twins und die Supra-Plattform“ – in der aktuellen Studie von Deloitte prognostizieren Experten einen Anstieg der Internet-of-Things-(IoT)-Endpunkte auf über 20 Milliarden weltweit. 4,5 Milliarden dieser Endpunkte werden gemäß Schätzung auf Europa entfallen, 80 Millionen auf Österreich.

 

Digitaler Zwilling – heute und morgen

Auch jetzt gibt es sie bereits: digitale Kopien physischer Objekte, Prozesse oder Dienste. Allerdings findet man sie heute überwiegend in der Produktion, im Anlagenbau oder bei „High Value Assets“. Mit der zunehmenden Digitalisierung aller Lebensbereiche werden digitale Zwillinge zukünftig auch im Alltagsleben der Verbraucher eine immer größere Rolle spielen. „Digitale Zwillinge können in vielen Bereichen einen erheblichen Mehrwert schaffen. Sie sorgen für größere Effizienz, Transparenz und Flexibilität. Außerdem mindern sie wirksam Risiken und sichern Qualität“, erklärt Werner Kolarik, Partner bei Deloitte Digital in Österreich.

 

Ein alter Hut in der Industrie

Dass digitale Zwillinge längst Realität sind, beweist die Industrie. So vernetzt beim Anlagenbauer Geislinger z.B. ein digitales Assistenzsystem Mensch mit Maschine. Es plant ganze Fertigungsabläufe, checkt dabei Ressourcen auf ihre Verfügbarkeit und reagiert auf Störungen, indem es sich selbst optimiert. Siemens investiert mit ihrer unternehmensweiten Kollaborationsplattform Teamcenter in Bentleys Engineering- und Projektmanagement-Tools, um für die Konstruktions- und Fertigungswelt einen vollständig digitalen Zwilling zu erstellen. Auch spannend: Der Wiener IT-Dienstleister Tieto schuf einen digitalen Zwilling der besonderen Art: Ändert sich am realen Objekt etwas, registriert das der digitale Zwilling in Echtzeit und verändert sofort sein virtuelles Erscheinungsbild. Umgesetzt an einer Lüftungsanlage. Tieto konnte damit die Lebensdauer der Maschine verlängern. 

 

IoT als Investitionsziel Nummer eins

Gemäß der Befragung durch Deloitte Experten sehen die österreichischen CIOs mit 88 % im Internet-of-Things das Investitionsziel Nummer eins. Bis 2020 wird es geschätzt weltweit mindestens 20 Milliarden IoT-Endpunkte geben. Etwa 4,5 Milliarden davon werden sich in Europa finden, 80 Millionen in Österreich. Über diese Endpunkte können Digital Twins mit Daten versorgt werden. Das macht sie zu Bausteinen der intelligenten Digitalisierung.

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In Produktionsumgebungen sind Digital Twins bereits im Einsatz.

Digitaler Zwilling für riskante Fahrmanöver

Der digitale Zwilling braucht vier Dinge: Sensoren, Konnektivität, definierte Datenstrukturen und ein User Interface für die Datenvisualisierung. Digitale Zwillinge können überall dort eingesetzt werden, wo es vernetzte Objekte, wie zum Beispiel Produktionsroboter, Windkraftanlagen oder Flugzeugtriebwerke gibt.

Konkret werden digitale Zwillinge schon bei Smart Homes, Connected Cars oder im Gesundheitswesen angewandt. Es mangelt aber noch an anschaulichen Beispielen für den Verbraucher. „Den Nutzen eines digitalen Zwillings kann man zum Beispiel bei einer virtuellen Probefahrt erleben. Mit dem digitalen Zwilling werden realistische Fahrmanöver im Grenzbereich simuliert oder über Virtual Reality visualisiert“, so Kolarik.

 

Was sind die Chancen und Hürden

Zukünftig werden Anwendungen für Verbraucher an Bedeutung gewinnen. Beispiele sind gemäß Studie die intelligente Verkehrssteuerung in der Smart City oder vernetzte Messgeräte für Diabetespatienten. „Aus der Digitalisierung ergeben sich völlig neue Nutzungsszenarien und Geschäftsmodelle, die wirtschaftliches Wachstum und gesellschaftlichen Mehrwert möglich machen“, analysiert Mikhail Arshinskiy, Director bei Deloitte Digital.

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Werner Kolarik, Partner bei Deloitte Consulting, sieht die Implementierung einer übergreifenden Plattform als eine globale Mammutaufgabe. 

Eine Hürde für die Etablierung der Digital Twins stellt das noch stark fragmentierte IoT-Ökosystem mit den vielen Einzelanwendungen sowie geschlossenen Plattformen und Datensilos dar. Laut Deloitte braucht es eine offene Plattform, mit der echter digitaler Nutzen geschaffen werden kann. Kundenerfahrungen lassen sich dann nahtlos über die Schnittstellen hinweg optimieren. „Die Implementierung einer übergreifenden Plattform ist eine globale Mammutaufgabe. Diese kann nur im Zusammenspiel der großen Player aus Wirtschaft, Technik und Politik bewältigt werden“, so Werner Kolarik abschließend.

 

Quelle & Download der Studie: https://www2.deloitte.com/at/de/seiten/consulting/artikel/digital-twins.html