Corona, industrielle Transformation, Bionik: Wie passt das zusammen?

Bionik ist weder Trend noch Hype. Sie spielt bei der industriellen Transformation im Hinblick auf die Zukunft eine wichtige Rolle. Das Credo lautet Flexibilität. 

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Festo will proaktiv gestalten und Impulse für die industrielle Transformation setzen, sagt Rainer Ostermann, Geschäftsführer bei Festo Österreich. 

Wer Begriffe wie Coronakrise oder Industrie 4.0 nicht mehr hören kann, vernimmt möglicherweise des Öfteren den Ausdruck „Industrielle Transformation“. Dabei geht es um die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Industrie. Also wieder Digitalisierung. Es steckt aber mehr dahinter: globale Wertschöpfungsketten, kürzere Produktlebenszyklen, höhere Produktivität und Ökosysteme in der Industrie. Und mit Ökosystemen beschäftigt sich auch die Bionik. Wir haben Rainer Ostermann, Geschäftsführer Festo Österreich, dazu befragt.


Reed Exhibitions: Herr Ostermann, hat die Coronakrise die industrielle Transformation beschleunigt?

Rainer Ostermann: Corona hat die Digitalisierung rasant vorangetrieben. Viele Unternehmen haben ihre Mitarbeiter ins Home-Office geschickt. Durch dieses „Remote-Working“ spielen digitale Lösungen eine verstärkte Rolle.

 

Ist das denn im Shopfloor schon möglich?
Ostermann: Im Shopfloor, also vor Ort in der industriellen Fertigung, geht das heute noch nicht so einfach. Viele Arbeitsplätze in der Produktion sind ortsgebunden.

 

Haben denn die Unternehmen die industrielle Transformation bislang nur stiefmütterlich behandelt?
Ostermann: Das ist sehr unterschiedlich. Es gibt Vorreiter, die sich intensiv mit neuen Technologien und ihren Möglichkeiten auseinandersetzen – andere sind noch sehr zögerlich. Dabei geht es jedoch nicht nur um neue Maschinen.

 

Ist der reine Komponentengedanke also zu wenig?

Ostermann: Auf jeden Fall. Denn es geht um ein umfassendes Umdenken, ein neues Mind-Set bei den Menschen, um neue Kompetenzen und Prozesse. Darum hat Festo Didactic – unser Geschäftsfeld für Aus- und Weiterbildung – bei uns einen besonders großen Stellenwert. Automatisierungskomponenten alleine sind zu wenig – auch wenn sie smart oder intelligent sind.

 

Haben Sie keine Sorge, dass die Digitalisierung zu rasch vorangetrieben wurde? Vielleicht wurden wichtige Aspekte ignoriert und das wird unweigerlich zu Problemen führen.

Ostermann: Das kommt auf die jeweilige Herangehensweise und die Ausgangsposition an. Wenn einige Unternehmen die Zeit genutzt haben, um sich auf die nächsten Schritte in Richtung Digitalisierung vorzubereiten, ist das bestimmt nicht falsch. 

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Rainer Ostermann ist überzeugt, dass es beim Thema Digitalisierung Einflüsse aus allen Richtungen gibt. 

Der Weg in Richtung Industrie 4.0 ist keinesfalls starr …

Ostermann: Richtig. Es gibt viele Einflüsse aus allen Richtungen. Daher muss immer wieder reflektiert und nachjustiert werden. Flexibilität ist Trumpf!

 

Wie hat sich die Coronakrise für Festo dargestellt?

Ostermann: Festo ist auch jetzt systemrelevant. Wir beliefern verstärkt Kunden in den Bereichen Lebensmittel, Verpackung, Pharma- und Medizintechnik. Unsere breite Branchenaufstellung hilft uns, wenn Segmente, wie Automotive, rückläufig sind.

 

Konnten Sie Umsatzzuwächse trotz Krise generieren?
Ostermann: Ja – in ausgesuchten Bereichen, wie in unserer Business Unit LifeTech, sind wir ausgezeichnet gewachsen. Hier beliefern wir beispielsweise Ausrüster von Laborautomation.


Viele Unternehmen berichten von einer deutlichen Verschiebung hin zum digitalen Business. War das bei Festo auch der Fall?
Ostermann: Wir merken durch Corona deutliche Veränderungen in unserem Onlinegeschäft. Hier erwarten wir einen bleibenden, langfristigen Trend – eine nachhaltige Verschiebung zu digitalen Kanälen und Angeboten. Es ist daher unerlässlich, unsere Kunden umfassend virtuell zu unterstützen.

 

Für Sie ist Bionik weder Trend noch Hype. Erklären Sie uns das.

Ostermann: Wir verstehen Bionik vielmehr als Inspiration. Die Natur hat im Laufe der Evolution interessante Lösungen hervorgebracht. Sie setzt dabei meist auf einen niedrigen Energieaufwand, ein geringes Eigengewicht oder beispielsweise Anpassungsfähigkeit.

 

Eigenschaften, die in der industriellen Fertigung oder etwa in der Logistik heute äußerst gefragt sind …
Ostermann: Richtig. Wir schauen also genau hin, lernen und übertragen das Gelernte in die Technik. So wurden bereits aus einigen Future-Concepts interessante Produkte, die unsere Kunden zum Einsatz bringen.  

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Adaptive Greifer – vom bionischen Konzept zum Serienprodukt.