Robotik: Warum sich längst nicht mehr alles um Cobots dreht

Smart-Automation-Veranstalter Reed Exhibitions Austria hat sich aufgemacht Trends in der Robotik zu suchen und diese auch gefunden. Welche Wege Hersteller und Forschung derzeit ins Auge gefasst haben. 

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Nicht nur Cobot im Kopf: Längst bestimmen nicht nur mehr kollaborierende Roboter den Industriealltag. Es gibt neue Bewegungen am Markt.

 

Seit Jahren bestimmen Cobots, sogenannte kollaborierende Roboter, die Automatisierungswelt. Sie sind DIE Trend-Geschöpfe in der Industrie. Das Versprechen: Menschen können die Helfer schnell programmieren, problemlos mit ihnen zusammenarbeiten und die Roboter flexible einsetzen, wenn sich Aufgaben ändern. Smart-Automation-Veranstalter Reed Exhibitions Austria hat sich aufgemacht weitere Trends in der Robotik zu suchen und diese auch gefunden.
 

Trend Nummer 1: Die Roboter-Roboter-Kollaboration

Gerade in der Nachbearbeitung von gedruckten Bauteilen, gewinnt dieser Trend immer mehr an Bedeutung.

Die Mensch-Roboter-Kollaboration war das bestimmende Thema in den vergangenen Jahren. Doch mit mehr Automatisierung beispielsweise in der Nachbearbeitung im 3D-Druck-Bereich gewinnt die Roboter-Roboter-Kollaboration an Bedeutung. Doch um zwei Roboter Hand in Hand arbeiten zu lassen und die Prozesssicherheit zu gewährleisten, werden aufwendige Programmierungen benötigt. Hier setzt die Dissertation von Maximilian Wagner von der TH Nürnberg an. Sein Ziel war es, Methoden zu entwickeln, um aus der Prozessbewegung automatisiert die Bearbeitungsbahnen für die zwei kooperierenden Roboter zu erzeugen und daraus ohne menschliche Eingriffe die Roboterprogramme zu generieren. „Der Schwerpunkt meiner Arbeit liegt auf der Erforschung der Prozess-Aufteilung auf mehrere Robotersysteme, beispielsweise bei technischen Prozessen, wie dem Kleben oder Polieren. Dabei ist es von Vorteil, wenn Werkzeug und Werkstück sehr präzise zueinander ausgerichtet und bewegt werden. Vergleichbar ist dies beim Menschen mit einer zweihändigen Arbeitsweise“, erklärt Wagner, der heute bei Schaeffler arbeitet. In seiner Forschungsarbeit konnte Wagner außerdem nachweisen, dass sich durch die Kooperation von Robotern ein Vorteil für die Erreichbarkeit von Bearbeitungspunkten ergibt. „Mit den erforschten Methoden wird der Einsatz kooperierender Roboter in der Industrie in Zukunft erheblich vereinfacht. Für diese zukunftsorientierte und interdisziplinäre Forschung bietet das Nürnberg Center of Technology die idealen Voraussetzungen“, so Professor Peter Heß von der Fakultät Maschinenbau und Versorgungstechnik der TH Nürnberg.
 

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Sehr viele Anwendungsmöglichkeiten: Die Logistik als neuer Spielplatz der Roboter. 

Trend Nummer 2: Die mobile Robotik

Ein weiterer Trend im Robotikmarkt: Mobile Anwendungen. Vor zehn Jahren waren fahrerlose Transportsystem technologisch der „letzte Schrei“. Doch durchgesetzt haben sich die Lösungen nicht. Oder doch?

Seit einigen Monaten entstehen wöchentlich neue Firmen, die sogenannte Automated Guided Vehicles (AGV) oder nur Automated Vehicles (AV) dem Markt anbieten. Patente sind gefallen, die Rechenleistung ist vorhanden, Sensoren sind günstiger geworden und die Automobilindustrie läutet Schritt für Schritt das Ende der Elektrohängebahn ein. Bosch Rexroth hat den Trend mit seinem Active Shuttle früh erkannt, bietet seine Laserlokalisierung mittlerweile sogar als Komponente für die Branche an. 50-mal pro Sekunde bestimmt die Laserlokalisierungssoftware die exakte Position von Fahrzeugen aller Art innerhalb von Hallen, ohne zusätzliche bauliche Maßnahmen, versprechen die Entwickler. Als Komponente für selbstfahrende Fahrzeuge, Gabelstapler oder Milk-Runs erstellt sie dynamische Karten ihres Einsatzgebiets. Die Software ermöglicht so ein autonomes Navigieren für mobile Plattformen. Erfasste Bewegungsdaten gesteuerter Fahrzeuge können außerdem für die Optimierung des Flottenmanagements genutzt werden. Übrigens: Ausgerechnet ein Vorchdorfer KMU beliefert hier die ganz Großen. BMW, VW, Lufthansa und Siemens setzten schon lange auf die pfiffigen grünen Flitzer von Agilox, die mit Schwarmintelligenz weltweit Lagerhallen erobern.
 

Trend Nummer 3: Die Logistik-Roboter

Paletten, Verpacken, Kommissionieren: Das Lager findet viele Einsatzmöglichkeiten unserer maschinellen Helfer.

Apropos Gabelstapler und Logistik – in den Lagern dieser Welt arbeiten immer mehr Roboter, nicht nur als Transportmittel. Sie erobern die Depalettierung oder Kommissionierung. Wobei gerade im Lebensmittelbereich das Picken und Verpacken einzelner Tomaten in einer Tüte den Systemen oft noch schwerfällt. Für diese Art von Robotern fehlt übrigens noch eine klare Definition am Markt. Sind Roboterbauer hier Partner von Generalunternehmern wie Witron, SSI Schäfer oder Knapp?  „Theoretisch ja“, erklärt Martin Stich von Witron. „Andere Systemanbieter bedienen sich bei Unternehmen wie Fanuc oder ABB. Soll heißen: Was für die SPS oder den Antrieb gilt, gilt auch für den Roboter.“ Aber: „Wir erleben einen Hype. Dabei arbeiten wir schon lange mit Robotern, denn ein Roboter ist ein Handhabungsgerät, das den Menschen unterstützt und von einem Computer gesteuert wird.“ Nicht mehr und nicht weniger. 
 

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Weg vom Generalist: Roboter erobern immer spezifische Aufgabengebiete. 

Trend Nummer 4: Der spezialisierte Roboter

Eine Bewegung geht weg vom Generalisten, den klassischen Sechs-Achs-Knickarmroboter.

„Roboter sind Generalisten, wir bauen Spezialisten“, fasst Martin Stich eine Entwicklungsrichtung zusammen. Seine Herausforderung: Die COM als Roboter arbeitet mit schwer handhabbaren Produkten - mit höchster Verfügbarkeit, Leistung und Lebensdauer. „Wir bauen Roboter – unsere COM – für unsere Kunden, für besondere Aufgaben.“ Und die Forschung gibt Stich und seinen Kolleginnen und Kollegen recht. „Für mich ist ein Roboter nicht nur der klassische Sechs-Achs-Knickarmroboter“, erklärte Professor Birgit Vogel-Heuser von der TU München auf dem ZVEI Jahreskongress in Berlin. Es gäbe viele Robotikanwendungen, beispielsweise in der Verpackungsindustrie, so die Wissenschaftlerin vom Lehrstuhl für Automatisierung und Informationssysteme. Für Sie ist klar: Spezifischen Robotern sind ein Wettbewerbsvorteil deutscher und österreichischer Unternehmen.