Pay-per-Use: Findustrial ermöglicht innovative Finanzierungsmodelle

Pay-per-Use und Pay-per-Part klingen vielversprechend. Das österreichische Fintech-Start-Up „Findustrial“ geht mit seiner neuen Plattform für Finanzierungsprojekte aber noch einen Schritt weiter. Wir haben uns angesehen, was sich dahinter verbirgt. 

Im privaten Umfeld hat das Abo-Zeitalter durch Netflix, Amazon und Spotify längst Einzug gehalten. Seit langer Zeit wird auch versucht, die Idee dieses Modells auf die Industrie zu übertragen. Die Umsetzung ist jedoch deutlich komplexer. Dem österreichischen Fintech-Start-Up „Findustrial“ ist das nun gelungen. Innerhalb von nur sechs Monaten konnte das erste Pay-per-Use Finanzierungsprojekt einer Industrieanlage erfolgreich umgesetzt werden. 

Disruption im Anlagenverkauf

Das Konzept hinter einem nutzungsbasierten Finanzierungsmodell klingt simpel: Anlagen können im Eigentum der Maschinen- und Anlagenbauer verbleiben, die Kunden zahlen nur je Produktionseinheit (Stück, Quadratmeter, etc.). Sämtliche Services wie Instandhaltung, Wartung, Ersatzteile und Verbrauchsmaterial sind bereits inkludiert. Trumpf setzt das bereits um. Auch Porsche ist mit FlexFactory auf den Zug aufgesprungen. Was machen die Oberösterreicher aber anders? 

Die Projektpartner

Es gilt als erstes Erfolgsprojekt des Fintech-Start-Ups „Findustrial“, Erste Bank und Sparkassen Leasing GmbH, Sparkasse Oberösterreich und der Inocon Technologie GmbH. In nur wenigen Wochen wurde aus der Theorie eine nutzungsbasierte Maschinenfinanzierung: Pay-per-Use. Günter Hehenfelder und Martin Gruber haben Anfang 2020 den Nerv der Zeit getroffen und die Findustrial GmbH mit Sitz in Schörfling am Attersee gegründet. Das erklärte Ziel? Neuartige Finanzierungslösungen für nutzungsbasierte Geschäftsmodelle zu entwickeln und diese auf einer digitalen Plattform zur Verfügung zu stellen. 

© Findustrial
Das Fintech-Start-Up „Findustrial“ mischt beim Angebot von Pay-per-Use Finanzierungsmodellen kräftig mit. 

© Findustrial 
Günter Hehenfelder ist CEO und Gründer von Findustrial und kann auf jahrelange Erfahrung in der Industrie zurückgreifen.   

Plattform mit vielen Funktionen

Das Highlight der Plattform ist das „Matching“ für Investitionsprojekte. Anlagenbauer oder -betreiber können Projektinformationen auf die Plattform hochladen und erhalten in kürzester Zeit Finanzierungsangebote zur Auswahl. „Während andere Pay-per-Use oder Pay-per-Part-Lösungen sich auf einen Hersteller oder Finanzierungspartner spezialisieren, bieten wir die erste Plattform, die standardisierte Prozesse in der Datenanbindung entwickelt hat, verschiedene Finanzierungsdienstleister miteinbezieht und versucht, für verschiedene Maschinenbetreiber optimale Angebote zu entwickeln“, freut sich Günter Hehenfelder, CEO von Findustrial. 

Erstes Projekt erfolgreich umgesetzt

Bei der finanzierten Anlage von Inocon handelt es sich um eine neuartige Technologie zur Herstellung von flexiblen Leiterplatten für die weltweite LED-Industrie. Die Investitionskosten? Knapp eine Million Euro. Einen Betrag, den viele Unternehmen nicht mal eben aus der Portokasse zahlen. Wenn Cashflow und Liquidität nicht ausreichen, so können flexible Rückzahlungsmodelle bei der Anlagenfinanzierung unterstützen. 

Was das Finanzierungsmodell kann

Seit 1. Oktober 2020 liefert die Maschine von Inocon laufend Nutzungsdaten in eine Cloud-basierte Datenplattform, abgesichert durch die Data-Sharing-Technologie von Tributech aus Linz. Diese Daten bilden die Basis für die Tilgung der Investitionskosten. Die Rückzahlungsdauer ist flexibel, ebenso wie die Rückzahlungsraten, da sich diese aus der Anlagennutzung berechnen. Ein Fass ohne Boden? Nicht ganz, denn „eine Untergrenze gibt es natürlich“, sagt Hehenfelder. „Dies hilft dem Betreiber auch in Zeiten einer Wirtschaftskrise, da sich die Rückzahlungsraten automatisch verringern. Umgekehrt wird mehr zurückgezahlt, wenn das Geschäft gut läuft. Die Datenplattform stellt die Raten automatisiert allen Beteiligten periodisch zur Verfügung.“

© Inocon
Die Maschine liefert zuverlässig Daten seit 1. Oktober 2020 an die Plattform von Findustrial.  

© Inocon
Die Daten werden auf einer Cloud-Infrastruktur beim Anlagenbetreiber gespeichert.  

Und wem gehören die Daten?

Das Thema Datensicherheit ist ein großes. „Die Daten werden von der Maschine abgegriffen und auf einer Cloud-Infrastruktur beim Anlagenbetreiber gespeichert. Vom Betreiber gibt es einen sicheren Datenstrom auf die Findustrial-Plattform“, erklärt Hehenfelder. Lediglich Informationen zum Betriebszustand oder Rüstzeiten werden an die Plattform gesendet. „Condition Monitoring ist hier aber noch kein Thema“, so Hehenfelder weiter. Sensorik-Daten könnten ebenfalls in der Cloud-Infrastruktur gespeichert werden, allerdings beim Maschinenbetreiber. 

Big Data – quo vadis?

Was in der Theorie unter dem Stichwort Predictive Maintenance gut klingt, liegt in der Praxis oftmals noch in weiter Ferne. Also kein Big Data? „Die Kunden möchten die Daten nur selten mit dem Maschinenhersteller teilen. Für Pay-per-Use Finanzierungsmodelle sind erstmal nur wenige Maschinendaten relevant, und diese werden auf der Findustrial-Plattform zur Berechnung der Rückzahlungsraten herangezogen“, so Hehenfelder. Big Data sieht Hehenfelder als „einen weiteren Schritt der Maschinenhersteller hinein in die Produktion ihrer Kunden“. 

© Inocon
Mit der Anlage von Inocon werden flexible Leiterplatten für die weltweite LED-Industrie hergestellt. 

Text von Jasmin Ladinig, Teamlead Content Management