Linx4: Wenn Pay-per-Use auf Investmentfonds trifft

Ein Wiener Fintech-Start-Up ermöglicht mit einem innovativen Konzept eine alternative Finanzierung von Maschinen und Anlagen. Wie damit Investitionshürden überwunden werden sollen. 

Meldungen über flexible Finanzierungsmodelle für Maschinen und Anlagen häufen sich. Kein Wunder, denn mit einem Exportvolumen von rund 60 Milliarden Euro – das entspricht einem Anteil von 40 Prozent am Gesamtexport – und jährlichen Investitionen von 2,6 Milliarden Euro stellt die Maschinenbauindustrie einen der wichtigsten Industriezweige Österreichs dar. 

Leere Auftragsbücher bei OEMs

Warum sollte es im krisengebeutelten Jahr 2020 anders sein? Der Maschinenbau steht vor demselben Problem, wie auch schon die Jahre zuvor: Die Finanzierung neuer Fertigungsanlagen. Einkäufer sehen sich mit hohen Investitionshürden konfrontiert, verschieben gar oftmals Investitionsentscheidungen. Die Folge ist ein Rückgang der Neuanschaffungen von Maschinen und Anlagen und daraus resultierend leere Auftragsbücher auf Seiten der OEMs. 

© linx4
Das Wiener Fintech-Start-Up linx4 kombiniert IIoT-Technologie mit Investmentfonds - für eine nutzungsbasierte Maschinenfinanzierung. 

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Paul Bruckberger ist CEO und Co-Founder des Fintech-Start-Ups „linx4“. 

Pay-per-Use trifft Investmentfonds

Eine One-Stop-Lösung für nutzungsbasierte Maschinenfinanzierung hat das Start-Up „linx4“ nun entwickelt. Die Wiener kombinieren IIoT-Technologie mit Finanzierungslösungen in Form von Investmentfonds für institutionelle Anleger. Paul Bruckberger, CEO und Co-Founder von Linx4, sagt: „Traditionelle Finanzierungen wie Leasing oder Kreditfinanzierung können diese Einbrüche nicht mehr abfedern. Das Investitionsrisiko liegt, aufgrund starrer Tilgungsraten, weiterhin einzig und alleine beim Maschinenbetreiber. Nun gilt es, Geschäftsprozesse neu zu denken und intelligente Finanzierungsmodelle zu entwickeln.“

Die Lösung dafür kommt aus Österreich: Pay-per-Use-Finanzierungen mittels einem Maschinenfonds bieten nun eine flexible Alternative zu traditionellen Finanzierungsmethoden. Die Höhe der Rückzahlungsraten ist, wie bei anderen Pay-per-Use-Modellen, ebenfalls von der Nutzung der Maschine abhängig. 

Es besteht eine Zwei-Klassengesellschaft

In einem gemeinsamen Projekt einer Fachgruppe der Vereinigung Österreichischer Vertriebsmanager (VÖVM) mit Linx4 wird die flexible Finanzierung von Maschinenneuanschaffungen laufend thematisiert. Christian Eberhardt-Motzelt, Vorstandsmitglied der VÖVM, sagt dazu: „Das Finanzierungsvolumen im Operating-Leasing für Produktionsanlagen überstieg 2018 erstmals 39 Milliarden Euro. Absatzfinanzierung wird ein immer wichtigeres Thema. Im Austausch mit rund 100 Vertriebsleitern im Rahmen der VÖVM zeigt sich, dass hier eine „Zwei-Klassengesellschaft“ besteht. Einige im Mittelstand widmen sich dem Thema intensiv, können sich damit bei Ihren Kunden differenzieren. Viele Kunden haben jedoch keine strategische Bewertung bzw. Entscheidung zu modernen Finanzierungsmodellen für Investitionsgüter getroffen – was die Absatzsteigerung über dieses Instrument noch erschwert.“

Linx4 und der VÖVM erheben die Einflussfaktoren auf die derzeitige Verkaufssituation und untersuchen anhand der Ergebnisse mögliche Lösungen. Die Ergebnisse gibt's demnächst auf Reed Industry

© Christian Eberhardt-Motzelt
Christian Eberhardt-Motzelt ist Vorstandsmitglied der VÖVM sowie Area Sales Manager bei ZwickRoell. 

Vorteile einer Pay-per-Use-Finanzierung

Betreiber optimieren nicht nur ihren Cashflow, sie minimieren auch gleichzeitig das Investitionsrisiko. Auch für Maschinenhersteller stellt Pay-per-Use eine Alternative dar, denn der Umsatz wird sofort verbucht – dank der institutionellen Investoren. Für Finanzinvestoren eröffnet sich eine neue Assetklasse. Alle Vorteile einer Pay-per-Use Finanzierung im Überblick:

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Das Pay-per-Use-Produkt von linx4 könnte die derzeitige Investitionskrise im Maschinen- und Anlagenbau beenden. 

Für den OEM

  • Steigerung des Maschinenverkaufs
  • Steigerung des Servicegeschäfts, da das Service in der Kalkulation der Rückzahlungsraten berücksichtigt wird
  • Erschließung neuer Zielmärkte
  • Kontrolle über den Sekundärmarkt

Für den Maschinenkäufer oder –betreiber

  • Wechsel von Investitionskosten zu operativen Kosten (CapEx zu OpEx)
  • Bilanzneutrale Anschaffung auch unter IFRS16
  • Risikoteilung durch Diversifikation der Maschineninvestoren
  • Besseres Cashflow-Management

Text von Jasmin Ladinig, Teamlead Content Management