FlexFactory soll individuelle Kleinserienfertigung möglich machen

Das Joint Venture „FlexFactory“ von Porsche, MHP und Munich Re will Kompetenzen bündeln, um eine individuelle Kleinserienfertigung für alle Industrien möglich zu machen. Ist “Digital Production as a Service” tatsächlich ein neues Kapitel in der Industrie?

© Porsche AG
Ein Joint Venture mit ganzheitlicher Beratungskompetenz im Produktionsumfeld: FlexFactory. 

Die individualisierte Kleinserienfertigung ist ein Traum, der seit kurzem in Frankurt am Main sehr fein gesponnen wird.  "FlexFactory", ein Joint Venture von Porsche, der IT-Beratungsfirma MHP und dem Versicherungsunternehmen Munich Re, soll das möglich machen. Große Namen stützen das Projekt "Digital Production as a Service". Im Fokus: eine flexible Losgröße-1 Fertigung. 

Kleinserien wirtschaftlich fertigen

Früh erkannte man bei Porsche, dass es „einen großen Bedarf nach individualisierten Produkten am Markt gibt“, so Lutz Meschke, stellvertretender Vorsitzender und Vorstand Finanzen und IT der Porsche AG. Die Herausforderung bestünde allerdings darin, auch Kleinserien damit wirtschaftlich zu fertigen. Porsche will industrieübergreifend mit Munich Re und MHP jetzt Kompetenzen bündeln. „Dieses Joint Venture ist noch klein, aber fein. Es kann die Herausforderung lösen, auch Kleinserien wirtschaftlich zu fertigen und damit ein neues Kapitel in der industriellen Produktion aufschlagen“, so Meschke weiter. 

Offene Plattform für die Kleinserienfertigung

Die Integration weiterer Technologiepartner auf der offenen FlexFactory-Plattform im Sinne eines offenen Produktions-Ökosystems ist mittelfristig angestrebt. Welche Kompetenzen die Partner beisteuern:

  • Porsche bringt sein Produktions-Know-how ein.
  • MHP steuert seine Expertise in der digitalen Prozessoptimierung, insbesondere an der Schnittstelle von Entwicklung zu Produktion, bei.
  • Die Finanzierungs- und Versicherungsmodelle sowie die Performance-Garantie für die ausgeplante Produktion kommen von Munich Re.
  • Mit an Bord ist auch die Munich Re-Tochter Relayr für die digitale Risikoanalyse via IoT-Sensorik. 

©Porsche AG
„Das Interesse der ersten potenziellen Kunden Kunden zeigt uns, dass es einen großen Bedarf an individualisierten Produkten gibt“, ist Meschke überzeugt.

© Munich Re 
„Unsere Kooperation unterstreicht einmal mehr die Innovationskraft und Lsungskompetenz von Munich Re als Risikomanager und Finanzierungsexperte für die Industrie 4.0“, sagt Torsten Jeworrek, Mitglied des Vorstands bei Munich Re. 

Was ist “Digital Production as a Service”?

Die FlexFactory agiert als Beratungsunternehmen und Business Enabler. Sie selbst stellt allerdings keine Produktionsanlagen zur Verfügung. Das Joint Venture bietet hingegen das für den Aufbau einer flexiblen Produktion benötigte Wissen und entsprechende Dienstleistungen als Servicekonzept aus einer Hand an: “Digital Production as a Service”. Bei der tatsächlichen Umsetzung des Kundenprojekts unterstützt die FlexFactory ebenfalls. Erprobt wurde das Konzept in einem konkreten Umsetzungsszenario im Karosseriebau von Porsche bereits. Dabei wurde die Fertigung verschiedener Anbauteile (z.B. Varianten einer Autotüre) auf einer Fertigungsstraße simuliert und optimiert

Wer profitiert davon?

Innovationen brauchen Investitionen. Bei herkömmlichen Produktionsmodellen stehen geringe Stückzahlen hohen Fixkosten gegenüber. Der Bedarf an Lösungen für eine flexible und wirtschaftliche Fertigung ist demnach groß. Produktlebenszyklen verkürzen sich noch mehr, Kundenbedürfnisse werden immer individueller. Für Hersteller aus verschiedensten Branchen mit einer hohen Variantenvielfalt bedeutet das aber betriebswirtschaftliche Risiken für die eigene Bilanz. Für die Automobilindustrie, Bekleidungs- oder Verpackungsindustrie könnte die Lösung von FlexFactory eine flexible, ökonomisch kalkulierbare Produktionslandschaft bedeuten.

 

Quelle: Porsche AG

Text von Jasmin Ladinig, Teamlead Content Management