23.03.2021

10 Fragen zur Ökodesignanforderung

Am 1. Juli 2021 tritt die neue Ökodesignanforderung in Kraft. Was das für Maschinen- und Anlagenbauer bedeutet und welche Ausnahmen es gibt? Wir haben die Antworten auf die wichtigsten Fragen für Sie zusammengetragen.

In der EU sind etwa acht Milliarden Elektromotoren im Einsatz, die fast 50 Prozent des in der EU erzeugten Stroms verbrauchen. Mit einer großen Vielfalt an Technologien, Anwendungen und Größen ist der Sektor sehr heterogen. Motoren, Frequenzumrichter und Antriebssysteme werden nach ihrer Energieeffizienz klassifiziert. Seit Januar 2015 ist es gesetzlich vorgeschrieben, dass neue IE2-Motoren für den Betrieb in Europa zwingend einen Frequenzumrichter benötigen. Ab Juli 2021 beträgt die Mindestanforderung für den Motorwirkungsgrad IE3 - was muss der Anwender jetzt tun?

1. Am 1. Juli ist es soweit - kommt es zu Panikkäufen, legen sich Unternehmen Motoren auf Lager?

Betroffen sind Motoren > 75kW ab Juli 2021. Nein, es gibt keine Panikkäufe. Der Endkunde ist entscheidend. Der Maschinenbauer geht mit der Norm und fordert auch die aktuellste Norm seiner Motoren. Die Branche nennt das den Endkundenansatz.

2. Gibt es einen Bestandsschutz?

Ja, den gibt es. Alles, was bis zum 1. Juli 2021 in Verkehr gebracht wurde, darf genutzt werden. Hersteller dürfen aber nach dem Stichtag keine alten Motoren mehr produzieren und dann verkaufen.

3. Was darf der Anwender reparieren?

Reparieren bestehender Motoren ist erlaubt. Ein defektes Lager darf getauscht werden.

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Motoren, Frequenzumrichter und Antriebssysteme werden nach ihrer Energieeffizienz klassifiziert. Ab Juli 2021 beträgt die Mindestanforderung für den Motorwirkungsgrad IE3.

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Wird eine Anpassung der Motordrehzahl benötigt, kommt ein Frequenzumrichter zum Einsatz. 

4. Lohnt sich das denn noch?

Nein, bei den kleinen Motoren nicht mehr.

5. Passt ein IE3 Motor noch in die bestehende Maschine?

Der Motorenhersteller muss, um die Effizienzziele zu erreichen, Werkstoffe verändern. Er könnte beispielsweise Läufer aus Kupfer einsetzen oder die Größe verändern. Da kann es dann in bestehenden Anlage eng werden.

6. Veränderungen an der Größe sind denkbar, wie sieht es bei der Elektronik aus?

Wir haben höhere Anlaufströme, einen höheren Anlaufmoment. Das erhöht den Wirkungsgrad der Motoren. Das wirkt sich nicht direkt auf die Maschine aus.

7. Das verteuert aber die Motoren?

Ja, die neuen Motoren kosten mehr Geld, weil die Hersteller auch neue, bessere Materialien einsetzen. Aber eine Chance jetzt den Kunden abzukassieren ist es nicht, denn alle Marktteilnehmer werden die Preise erhöhen und die Zusatzkosten weitergeben.

8. Darf ich im Aussetzbetrieb noch IE1 Motoren verwenden?

Ja, in diesem Fall gilt die Norm nicht.

9. Gibt es noch weitere Ausnahmen?

Ausgenommen sind Motoren <20 W und Motoren, die bestimmte Spannungsbereiche nicht einhalten (<50 V und >1000 V). Unterwasser-Motoren und unbelüftete Motoren sind ebenfalls ausgenommen.

10. Sind die Anwender gut vorbereitet?

Viele schon. Die Motorenhersteller informieren seit Monaten ihre Kunden über die Baugrößenunterschiede und kommunizieren das Thema intensiv.

 

Quelle: Robert Weber